Lektüre: "Wie man bei Windstärke 10 stilvoll eine Tasse Tee trinkt"

Hier sitz ich nun wieder und komm nicht raus. Doch heute hatte ich die – wenn nicht gar DIE – rettende Idee. Wann immer sie mich im Büro festhalten und ich weder mit Essen noch mit Schlafen beschäftigt bin, werde ich ... lesen! Heute fiel mir Wie man bei Windstärke 10 stilvoll eine Tasse Tee trinktt: Das geheime Wissen der Abenteurer und Entdecker von Mick Conefrey in die Pfoten. Das schien ein passendes Werk für einen mittlerweile gestandenen Abenteurer* wie mich zu sein.

buch1Und sieh an, gleich bei meiner ersten Lektüre habe ich einiges gelernt. Diese wichtigen Fakten will ich Euch nicht vorenthalten:

  1.  Manche Dinge kann man gar nicht so unattraktiv beschreiben, dass sich nicht doch zahlreiche Wahnsinnige melden und mitmachen wollen. Ernest Shackleton schrieb 1914 eine Expedition öffentlich mit diesen Worten aus:
    "Männer für gefährliche Reise gesucht. Geringer Lohn, eisige Kälte, monatelange Dunkelheit. Ständig auf Fahrt. Wohlbehaltene Rückkehr ungewiss. Im Erfolgsfall Ehre und Anerkennung."
    Auf diese Anzeige bekam er 5000 Zuschriften.
  2. Einiges zum richtigen Verhalten beim Angriff einer Anakonda. Besonders gefallen haben mir Punkt 9 ("Vergewissern Sie sich, daß Sie ein Messer dabeihaben") und 10 ("Vergewissern Sie sich, daß das Messer auch scharf ist").
  3. Die Wostok-Forschungsstation in der Antarktis kommt nicht auf meine Wunschliste für zukünftige Ziele. 1983 hatte es dort -89 °C.
  4. Die Hündin Tschingel begleitete ihr Herrchen zu viktorianischer Zeit bei elf Erstbesteigungen, trotzdem wurde ihr die Aufnahme in den Alpine Club verwehrt, weil sie weiblich war. Mir geht's da grad etwas besser, denn ich bin männlich, und der Club folgt mir auf Twitter (s. ganz unten).
  5. Thor Heyerdahl hat gesagt: "Ein herzhaftes Lachen nimmt wenig Gewicht in Anspruch und wiegt auf einer Expedition viel." Guter Ansatz.
  6. Ich muss bei der Wahl derer, die mich mitnehmen dürfen, vorsichtig sein. Ende des 19. Jahrhunderts wurde empfohlen, "keinen zu nehmen, der schon viele Unfälle hatte oder im Ruf steht, ein Trinker zu sein". Kann ja heute auch nicht schaden.
  7. Das Eton College spendete für Scotts letzte Fahrt Richtung Südpol ein Pony, es hieß Snippet. Warum mich das genau interessiert hat, weiß ich jetzt auch nicht mehr.
  8. Augustinus sagte: "Die Welt ist ein Buch; wer nicht reist, liest nur eine Seite darin." Sic!

Gebracht hat mir mein Lesenachmittag außerdem eine phänomenale Erkenntniss: Lesen ist ein ganz vorzüglicher Zeitvertreib. Kann ich allen, die so wie ich in einem Büro festhängen, nur empfehlen. Ich mach das jetzt öfter. Hilft ja nix – und wenigstens mein Kopf geht dabei auf Reisen!

* Neben meinen zahlreichen Touren der letzten Wochen qualifiziert mich mittlerweile noch etwas anderes zum Abenteurer, und ich bin außerordentlich stolz darauf: Der Alpine Club folgt mir (neben knapp 22.000 Anderen, aber pssst!) mit seinem Account @thealpineclub auf Twitter! Wenn das keine Auszeichnung ist.

 

Globetrotter
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Warum wir auf Berge steigen? Weil sie da sind!

(Sir Edmund Hillary)