Die Angst der Geisel vor dem Gipfel. Xaver liest sich fest.

Das ist wirklich mal gemein: Ihr nehmt an einem Klassentreffen teil und steigt wohlgemut zusammen auf einen Berg. Doch dann, anstatt vor Gipfelglück abzuheben, findet ihr euch oben an den Fels gefesselt wieder. Denn einer hier hat euch zu seinen Geiseln gemacht. Allesamt.

Felsenfest von Jörg MaurerDer Hu hat's schon nicht leicht, das muss man sagen. Früher von seinen Klassenkameraden nicht ganz für voll genommen, muss er, der konsequenterweise nie zum Klassentreffen geht, jetzt antreten, um die ganze Bagage zu retten! Der Hu(bertus) ist natürlich der Kommissar Jennerwein, den ich neulich in „Unterholz" schon kennengelernt habe. Ich finde ja, er ist mir sehr ähnlich: eher unauffällig, aber hochintelligent und immer bereit, sein Äußerstes zu geben. Sehr sympathisch!

Diesmal hat ihn der Jörg Maurer auf einen geradezu historischen Fall angesetzt: Während die Klassenkameraden auf der Kramerspitz vor sich hinbangen und der Hu so ganz allmählich spannt, dass die SMS, die er von „Gu" bekommen hat, eine alarmierende Botschaft enthält, fängt man als Leser das Grübeln an, was wohl die eingestreuten Passagen aus dem Jahr 1294 damit zu tun haben. Damals wurde nämlich ein Favor Contractus aufgesetzt, ein quasi ewiger Vertrag, der sich um den Besitz des Werdenfels-Gebietes dreht und sogar heute noch ungeahnte Folgen haben könnte ...

Der Jennerwein macht seine Sache natürlich wie immer gut und rettet am Schluss die Welt, jedenfalls die bayerische, aber bis dahin hat man ganz schön was auszustehen! Zum einen ist da der Geiselnehmer, ein echter Mistkerl, der Geiseln nicht nur nimmt, sondern auch gern mal wieder von sich stößt; zum anderen sind die dergestalt gegeißelten Ex-Schulkameraden selber nicht grade Engerl. Der Jörg hat das besonders schön illustriert mit gelegentlichen Auszügen aus der Klassenzeitung, die der Organisator der Treffen jedes Jahr herausgibt. Aus den Buben und Madln sind Stiesel, pingelige Staatsbedienstete und superschlaue Besserwisser geworden – jedenfalls zum Teil.
Sosehr einem vor solchen Leuten in echt graust, beim Jörg sorgen sie für viel Vergnügen, genau wie die neusten Faxen der Graseggers und überhaupt der ganze Rest vom Buch. Na ja, und zum Ausgleich gibt's ja auch ein paar Nette, die nur ganz normal spinnen, wie das Team rund um den Jennerwein.

Kurz gesagt: Dieser Alpenkrimi ist wieder ein toller, tiefsinniger Lesespaß, den man sich nicht entgehen lassen sollte, ob man Klassentreffen nun mag oder nicht. Davon ist Euer Xaver überzeugt. Felsenfest!

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Warum wir auf Berge steigen? Weil sie da sind!

(Sir Edmund Hillary)