Gewagte Träume eines Bürohunds. Warum alle ein bisschen Xaver sein sollten.

Was bin ich froh, dass ich mein Leben geändert habe! Ganz ohne von einem Berg zu stürzen. Das haben andere nämlich tun müssen, bevor sie sich den für sie wirklich wichtigen Dinge zugewandt haben. Ich habe jetzt nur das Buch über den Sturz und seine Folgen gelesen. Und muss Euch deshalb mit meiner Geschichte und ein paar wesentlichen Gedanken aus diesem Buch belabern, die eigentlich offensichtlich sind, aber leider oft vergessen werden.

Meine Vorgeschichte kennt Ihr ja: Ich war ein Bürohund. Habe meine Tage unter Schreibtischen verbracht und mich gefreut, wenn ich zwischendurch eine Runde rausdurfte. Manchmal kamen Kunden ins Büro, das fand ich aufregend. Aber weil ich dazu neigte, Leute anzuwedeln und abzuschlecken, wenn ich aufgeregt war, wurde ich in solchen Fällen ans Tischbein gebunden. Trotzdem war ich zufrieden mit meinem Leben als Bürohund. Schon okay, dachte ich immer, anderen geht es viel schlechter.
Doch dann erlebte ich, wie Ihr wisst, eine Art Weckruf, als ich auf eine Skitour in die Chiemgauer Alpen mitdurfte. Seit diesem Tag war es um mich geschehen. Ich habe erkannt: Es gibt ein Leben außerhalb des Büros. Und in diesem Moment habe ich mich hoffnungslos in die Berge verliebt.
Seitdem ist viel passiert. Ich habe Abenteuer erlebt, die ich mir niemals hätte träumen lassen. Außerdem lese ich jetzt in meiner Freizeit gerne Bergbücher. Und vor Kurzem hat mir ein Buch tatsächlich die Erklärung geliefert, warum es so wichtig ist, dass ich meine Tage nicht fügsam in einem Büro friste, sondern genau das mache, was ich wirklich liebe.

Ich hatte „Der Tod ist ein Philosoph. Wie mich ein Sturz vom Berg auf den Sinn des Lebens brachte” von Tobias Hürter in den Pfoten. Wenn der Mathematiker und Logiker Tobias gerade nicht auf Berge steigt, ist er stellvertretender Chefredakteur der Philosophie-Zeitschrift „Hohe Luft”, deswegen kann der zum Thema echt was sagen. Nun ist der Arme durch einen richtig blöden Zufall vom Berg gepurzelt und durch einen wahrscheinlich noch viel größeren Zufall nach 37 Metern auf einem Felsvorsprung zum Liegen gekommen.
Für einen Sockenhund wie mich ist zwar manches im Buch ganz schön komplex. So haben sich Epikur, Heidegger und Marc Aurel mir noch nicht zur Gänze erschlossen – aber das war auch nicht nötig. Die wesentlichen Punkte hab ich trotzdem verstanden. So weiß ich jetzt zum Beispiel, dass ich Anhänger des Physikalismus bin. Und das war eine wesentliche Erkenntnis für mich. Auch ich glaube nämlich, dass mein Körper und mein Geist (sofern man bei Füllwatte davon sprechen kann) zusammengehören. Also ohne Körper kein Geist und ohne Geist kein Xaver. Und so ein Körper kann ganz schön schnell weg sein.

In den paar Sekunden, als der Tobias da den Berg runtergepoltert ist, erzählt er in seinem Buch, hatte er einen urphilosophischen Moment. Ihm stand ganz deutlich vor Augen, dass er nicht sterben wollte, weil ihm dieser Tod die Zukunft genommen hätte. Eine Zukunft, in der es noch viele tolle Dinge zu erleben gab.
So gesehen waren diese krassen Sekunden für den Tobias gewissermaßen ein Glücksfall, denn dadurch wurde ihm klar, wie schnell man so einen Körper tatsächlich loswerden kann. Und wie blöd es dann sein kann, dass man wichtige Dinge immer nur aufgeschoben hat.
Es soll ja ganz viele Menschen geben, die zwar irgendwie wissen, dass sie mal sterben werden, die das aber nicht wirklich für voll nehmen. Und deswegen auch gar nicht den richtigen Drive haben, genau das zu tun, was ihnen wichtig ist. Deswegen bin ich jetzt richtig froh, dass ich den Sprung aus dem Büro gewagt habe und mit Euch zusammen die tollsten Sachen erleben darf. Ich kann Euch das echt nur empfehlen. Denn so ein bisschen Xaver schadet Euch bestimmt nicht.
Glaubt einem Sockenhund!

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Warum wir auf Berge steigen? Weil sie da sind!

(Sir Edmund Hillary)