Unterhaltung im Unterholz. Xaver liest seinen ersten Jörg Maurer.

Mit diesem Buch ist es wie mit einer rundum gelungenen Tour in die Berge. Am Ende bist du ein bisschen erschöpft, aber hochzufrieden mit dem Erlebten, weil du weißt: Diesen Ausflug in ungeahnte Höhen wirst du noch lange im Gedächtnis behalten.

Auf einer Alm oberhalb von Garmisch wird die Leiche einer Frau gefunden, die von Beruf Auftragskillerin gewesen sein soll. Das hätte mir eigentlich schon genügt, um gespannt die Nase ins Buch zu vergraben, denn zum einen liebe ich Almen (das gehört ja quasi zu meinem Beruf), und zum anderen war ich schon mal dort im Ort. Aber der Jörg hat noch eins draufgesetzt und fängt das Buch direkt damit an, dass der Kommissar Jennerwein von einer Stahlschlinge gewürgt im Wald liegt und nicht weiß, wie er seine Notlage überleben soll.

Ich versteh ja noch nicht sooo viel vom Krimischreiben, aber ich glaube, wenn man einen Roman auf die Art losgehen lässt, ist nicht nur der Kommissar gefesselt, sondern auch der Leser. Also bin ich dem Kommissar bei seiner Rückblende zu den vorherigen Tagen eifrig hinterhergehechelt, habe die verdächtigen Typen auf der Alm verbellt, misstrauisch das Bestatterehepaar Grasegger beschnüffelt, habe – ja, ich muss es zugeben – beim nächsten Mord den Schwanz eingezogen und bin zigmal hinter Internistinnen, Österreichern, Killerinnen, Päpsten, Indern, genialen Malern und in jeder Hinsicht angefressenen Ehefrauen die Berge rauf- und runtergejagt, um den vielen Verwicklungen und falschen Spuren zu folgen, die der Autor ausgelegt hat.

Aber wo ich auch gerade war, immer haben mich diese komischen kleinen Zitate vor jedem Kapitel begleitet. Zuerst hab ich mir gar nichts dabei gedacht, denn beim ersten Kapitel lautet das Zitat ganz zutreffend: „Als Unterholz bezeichnet man in der Forstwirtschaft den Bewuchs unterhalb der Baumkronen, der aus Sträuchern oder kleinen Bäumen besteht." Auch das vor Kapitel fünf klingt einfach nur nach einer echten Hundeweisheit: „Manchmal stellt dich das Leben vor eine Kreuzung. Ein Wegweiser zeigt hinüber ins liebliche Tal, der andere ins Unterholz. Nimm nicht den erstbesten Weg. Indisches Sprichwort". Aber wenn bei Kapitel 57 angeblich Alfred Hitchcock notiert haben soll: „Vier Personen, dicht gedrängt im Unterholz. Ein Regenguss, sie müssen näher zusammenrücken. Platzangst. Allgemeiner Ekel. Mordgedanken. Paramount anbieten", dann hat auch ein Wenigfilmschauer wie ich kapiert, dass hier eine ganz große Bärenaufbinderei läuft, über die man schon die ganze Zeit furchtbar lachen muss.

Obwohl man also beim Lesen die ganze Zeit mehr oder weniger am Grinsen ist, gibt es auch wunderschön Kluges, und diese Mischung aus Spaß und Tiefsinn habe ich vorher noch nie irgendwo in einem Buch gefunden. Der Jörg spielt mit seiner Sprache auf ganz spezielle Weise, trickst einen immer wieder aus, führt einen auf den Unterholzweg und wieder zurück und lässt einen am Schluss nur noch eines wünschen: dass man einfach weiterlesen könnte.

Glücklicherweise kann man das, nämlich ab 6. März 2014, wenn endlich das neue Buch erscheint. Ich glaub, das muss ich dann unbedingt haben.

Share

Warum wir auf Berge steigen? Weil sie da sind!

(Sir Edmund Hillary)